Boots-Charter
in Holland
Kapitän auf 'eigener' Jacht
Wer möchte nicht gerne mal selbst Kapitän auf einer Jacht sein. Das ist kein unerfüllbarer Traum. Aus eigenen Erfahrungen von etlichen Wochen auf holländischen Gewässern kann ich jedem 'verhinderten Seefahrer' nur empfehlen, selbst ein Boot zu chartern und das Land vom Wasser aus 'erfahren'.
Persönliche Vorbemerkungen
Die auf dieser und den Seiten 'Routen' und 'Touren' gemachten Angaben beruhen auf vielen Fahrten innerhalb einem Zeitraum von mehr als 20 Jahren. Da ich in diesem Jahr wieder gesehen habe, wie schnell sich die Freizeit-Schifffahrt' entwickelt hat und ebenso die Infrastruktur wie Anlegeplätze und Häfen, kann ich nicht für alle meine Aussagen garantieren. Was sich nicht verändert hat ist die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Holländer, aber auch der Schiffsbesatzungen. Auch erstaunlich und erfreulich, trotz vieler Freizeitboote von klein bis gross waren alle in diesem Jahr von mir befahrenen Wasserwege einschliesslich der Liegeplätze zu 100% abfallfrei.Inhalt der folgenden Abschnitte
- Zuerst beantworte ich oft gestellte Fragen
- Danach schildere ich kurz meine 'seemännische Laufbahn'
- Dann sehen Sie als Beispiel 2 Fotos und die Ausstattungsliste von 'Linda'
- Die folgenden Empfehlungen sollen Anfängern eine Hilfe sein für gutes Chartern und Fahren
- Dann erkläre ich die wichtigsten Fahrunterlagen (Wasserkarten, ALMANAK 1, 2)
- Zum Schluss finden Sie eine Aufstellung der anfallenden Charter- und Nebenkosten
Fragen und Antworten
- Benötigt man einen Bootsführerschein ?
Die Längen- und Geschwindigkeits-limitierte Charterklasse (max. 15m und 15 km/h) ist führerschein-frei. - Ist es schwierig, ein solches (grosse) Boot zu fahren ?
Nein, Sie werden zu Beginn in die Technik und das Fahren eingewiesen und mit dem Schiff bald zurecht kommen. Im Gegensatz zum Auto gibt es da nur Ruder (Steuerrad) und Fahrhebel, der gleichzeitig für Vorwärts-, Rückwärtsfahren und Gasgeben dient. - Wie sind die bürokratischen Formalitäten ?
Von Bürokratie habe ich nie etwas bemerkt. Sie suchen sich entweder ein Boot aus einem Katalog vom Reisebüro aus, lassen sich von Charter-Firmen Prospekte schicken und reservieren dort oder schauen im Internet nach einem passenden Angebot. - Ist so ein Charter sehr teuer ?
Das hängt von der Grösse und Ausstattung des Bootes und der Jahreszeit ab. Wochenpreise beginnen für kleinere Boote bei etwa 600 Euro. Während der Saison können sich diese Preise fast verdoppeln. Am günstigsten ist die Zeit ab August. Die Anzahl der Besatzung spielt beim Preis keine Rolle, es zählt nur die Bootsgrösse und Ausstattung. - Sind die Boote Haftpflicht-versichert ?
Ich kenne folgendes Verfahren: Vor der Abfahrt hinterlegt man einige hundert Euro als Kaution, nach 'unbeschädigter' Rückkehr erhält man sie wieder zurück. - Wie viele Personen haben auf einem Schiff Platz ?
Das kommt auf die Zahl der Schlafplätze (Prospektangabe) an. Ich rate jedoch dringend zu einer reduzierten Crew, z.B. max. 2 bis 4 Personen, eventuell plus Kinder, bei 6 (8) angegebenen Schlafplätzen. - Darf man Kinder mitnehmen ?
Selbstverständlich. Schwimmwesten zählen nicht zur Grundausstattung, sind aber für Kinder dringend anzuraten. Meiner Meinung nach ist es auch kein Problem, wenn grössere Kinder unter Aufsicht das Boot einmal steuern. - Wie sind die Boote ausgestattet ?
In der Regel recht gut, z.B. mit Toilette, Dusche, Gasflaschen, voll ausgestatteter Küche plus Geschirr, Gasherd, Kühlschrank, Kalt-/Warmwasser im ganzen Schiff, kleinere Schränke. Bettzeug kann man mitbringen oder eventuell leihen. Der Wassertank ist je nach Bootsgrösse ca. 250 bis 1000 l gross, der Treibstofftank (Diesel) ca. 200 bis 800 l. Die meisten Boote haben einen Innen- und Aussenfahrstand, der letztere oft mit Cabrioverdeck als Sonnen-, Regen- und Windschutz. - Wie schnell darf man fahren ?
Die Schiffe dürfen gesetzlich nur 15 km/h schnell sein. Abgesehen von grösseren Kanälen mit oft starkem Berufsverkehr sind max. 6, 9 oder 12 km/h erlaubt. Diese Geschwindigkeiten sind urlaubsgerecht und völlig ausreichend. - Was für Motoren haben die Schiffe und was 'fressen' sie ?
Mit den von mir gefahrenen Dieselmotoren mit 25 bis 120 PS benötigte ich bei ruhiger und zurückhaltender Fahrweise im Durchschnitt zwischen 2,3 und 4 l Diesel pro Fahrstunde; bei der letzten Fahrt waren es nur 2,8 l bei 110 PS. Am Ende der Tour wird der Tank vollgefüllt und der exakte Verbrauch abgerechnet. Die Motorstärke hat wenig mit der Qualität eines Schiffes zu tun. Sie ist bei den strömungsfreien Gewässern in den üblichen Revieren immer genügend gross. - Wo kann und darf man fahren ?
Auf jeder in der Wasserkarte blauen Wasserfläche in den Gebieten, die im Chartervertrag angegeben sind. Für das Boot zu niedrige feste Brücken und der eigene Tiefgang stellen die einzigen Einschränkungen dar. - Welche Fahrregeln und Signale sind zu beachten ?
Es gibt für den Charterer nur wenige Regeln und Signale die er unbedingt beachten muss. Diese sind leicht zu lernen und zu verstehen. Ein kleines Studium vor der ersten Reise ist trotzdem hilfreich und anzuraten. - Wo kann und darf man anlegen ?
Besonders in Friesland an vielen dafür eingerichteten Stellen ausserhalb und auch innerhalb von Orten und Städten sowie in Häfen. Im Ort und in Häfen ist bei einer Übernachtung eine Liegegebühr fällig. 'Private Ufer' und entsprechend markierte Stellen sind tabu. - Darf man vom Schiff aus angeln ?
Als Nichtfischesser kann ich dazu nichts sagen. Am Ufer und auch auf Booten sitzen jedoch überall Fischer, bei jedem Wetter. - Wie ist es mit dem Einkaufen ?
Sehr gut, in vielen Dörfern und Städten kann man anlegen und hat nicht weit zu gehen. Das Verkaufspersonal ist überall besonders freundlich und hilfsbereit. - Was ist Friesland ?
Eine Provinz der Niederlande (Holland), flach, mit einem besonderen Menschenschlag und eigener Sprache, von der man aber wenig sieht und hört, abgesehen von 'doppelten' Orts- und Städtenamen. Neben der niederländischen Nationalflagge am Bootsheck ist auch die friesische Flagge in kleiner Ausführung an Bord. - Regnet es dort oft und ist es sehr windig und kalt ?
Wohl auch nicht mehr als bei uns und wenn, dann meistens nicht sehr lange. Kälter ist es auch nicht, ganz im Gegenteil. Frühnebel gibt es ebenfalls in der wasserreichen Gegend. Mit Wind, manchmal auch ziemlich heftig, ist aber zu rechnen. Meine Erfahrungen mit dem Wetter sind sehr positiv. - Wie kommt man ohne Holländisch-Kenntnisse zurecht ?
Das kleinste Problem, die meisten Holländer verstehen deutsch oder sprechen es auch. - Sind die Deutschen wirklich unbeliebt ?
Das kommt auf jeden selbst an, wie überall. Ich habe jedenfalls in vielen Jahren nur freundliche und hilfsbereite Menschen kennen gelernt.
Meine Charter-'Laufbahn'
Mein erstes Schiff buchte ich 1982 über ein Reisebüro. Es war 10 m lang, damals noch ohne Dusche und hatte nur einen 200 l - Wassertank. Wir fuhren das Boot in Zweierbesetzung - wie bei sämtlichen folgenden Fahrten - und brachten während 2 Wochen 75 ungetrübte Fahrstunden zusammen, eine für diese Zeit eigentlich zu grosse Zahl. Da im Boot keine Unterlagen vorhanden waren, hatten wir keine Kenntnis der Brücken- und Schleusen-Öffnungszeiten. Deshalb musste die laute Hupe (Horn) oft herhalten, wenn auch ab und an zu Recht ohne Erfolg.
Das zweite Schiff aus der Nähe von Utrecht war kein guter Griff, schlecht gepflegt und der Anlass für einige nicht von uns verursachten technischen Pannen. Trotzdem kam eine grosse Rundfahrt über Amsterdam, Leiden, Delft, Rotterdam zusammen, mit etlichen kleinen Abstechern. In diesem Urlaub erfuhren wir mehrmals grosse Hilfsbereitschaft. Als wir einmal auf steinigem Grund fest steckten, zogen uns 2 junge Holländer wieder aus der Misere. Zum Glück hat sich deren altes Schiff dabei nicht selbst zerlegt. Als die Wasserpumpe ihren Geist aufgab, bekamen wir noch zu später Stunde in einem Möbelgeschäft unseren Wassereimer gefüllt, der Chef feierte dort gerade mit Freunden.
Ab meiner dritten Tour charterte ich immer beim gleichen Betrieb und fuhr mit verschiedenen, im eigenen Betrieb gebauten Schiffen. Kleine Probleme wurden sofort abgestellt. Als regelmässiger Kunde durfte ich auch weiter entfernte und unbekannte Gebiete erkunden. So kam ein grosser Teil von Holland 'unter den Kiel'.
Als Beispiel 2 Ansichten vom mehrmals gecharterten Boot Linda und ihre Daten
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- Länge / Breite / Höhe / Tiefgang: 10,35 / 3,8 / 4,35 / 1,0 m
- Diesel-Motor 110 PS, Bugschraube, Innenfahrstand
- Sonnendeck mit Aussenfahrstand, Cabrioverdeck, Stühle und Tisch, Badeplattform, Dusche
- Trinkwasser 700 l, Diesel 600 l
- 2 Schlafräume (max. 6 Schlafplätze), 2 Toiletten (elektrisch) mit Waschtisch, Dusche
- voll ausgestattete Küche mit 4-flammigem Gasherd, Kühlschrank und Inventar für 6 Personen
- Thermoglas, Zentralheizung (auch im Stand), Warmwasserspeicher, 2 große Gasflaschen
- 220 V - Landanschluss, Safe, Autoradio und Fernseher mit Flachbildschirm
- Vorhandene Fahrtunterlagen (alle in holländischer Sprache):
3 ANWB-Wasserkarten von Friesland, Noordwest-Overijssel und Groningen sowie
ANWB ALMANAK 1 und 2 - Charter-Betrieb: Yachtcharter 'De Merenpoort bv', Echtenerbrug (
http://www.merenpoort.com)
Persönliche Empfehlungen
Allgemeines
Diese beruhen auf sehr vielen positiven und nur ganz wenigen negativen Erlebnissen aller Art sowie dem Lernprozess während vieler Charterfahrten mit 2 Personen seit 1982 auf verschiedenen Schiffen. Diese waren zwischen 9,85 und 11,25 m lang und 2,45 bis über 4,35 m hoch. Die Ausstattungen wurden mit den Jahren immer umfangreicher und komfortabler. Musste früher noch regelmässig der Ölstand kontrolliert und bei Bedarf Öl nachgefüllt, die Kühlwasserfilter gereinigt, die Propellerwelle mit der Fettpresse geschmiert oder die grosse Gasflasche ab und an gewechselt werden, kann man bei den heutigen Booten diese Tätigkeiten vergessen. Dieselmotor-Vorglühen ist ebenso out und Anlassprobleme hatte ich überhaupt noch nie. Problemchen irgend welcher Art gibt es überall, nicht nur auf dem Schiff. Ich habe über Jahre den Werdegang einiger Charter-Betriebe verfolgt. Gute Firmen besitzen heute nur wenig gefahrene und neue Boote.Geeignetes Boot auswählen
Prospekte sollten sorgfältig studiert und alle unklaren Details (z.B. Grösse, Einteilung, technische Daten, Haftpflicht, Kaution, Autoabstellplatz, Einkaufsmöglichkeiten vor dem Erststart, Nebenkosten, ...) möglichst vor der Unterschrift geklärt werden. Rechtzeitig buchen ist angesagt, da zu Jahresbeginn oft schon viele Termine vergeben sind. Zu einer Rücktrittsversicherung kann ich nur raten, sie kann bei der Buchung mit abgeschlossen werden. Möglichst grosse Boote sind zwar sehr beliebt, schliessen jedoch wegen ihrer Höhe oder/und dem Tiefgang das Befahren von etlichen Strecken aus.Die meisten Boote haben einen zusätzlichen Aussenfahrstand. Er ist besonders beim zielgenauen Fahren und 'Rangieren' von grossem Vorteil und bei einer 2er-Besatzung fast zwingend. Der gute Ausblick von 'da oben' auf Strecke und Natur ist nicht zu verachten. Das vordere Bugstrahlruder dient als Hilfe beim An- und Ablegen, Wunderdinge sollte man sich von dem im Bug quer eingebauten Propeller aber nicht erwarten. Ein Cabrioverdeck über dem Aussenfahrstand (fest montiert und nicht mit der 'linken Hand' abzubauen) ist eine feine Sache als Sonnen-, Regen- und Windschutz, kann aber die Gesamthöhe vergrössern. Ein 220 V-Anschluss ist in der Regel nicht vorhanden, ausser man hat das spezielles Kabel für den (nicht überall vorhandenen) Landanschluss im Hafen an Bord. Die Küche ist mit Geschirr, Gasherd und Kühlschrank ausgestattet. Für grosse Kleiderschränke ist kein Platz auf dem Schiff. Viele Boote haben auch eine Standheizung. Ein möglichst grosser Wassertank ist ein Plus. Der Dieseltank ist meist mehr als ausreichend gross.
Charterdauer
Ich meine, dass ein 2-Wochen Charter für den Beginn eine sehr gute Zeitspanne ist, um sich einzugewöhnen und den Rest der Zeit zu geniessen. Ein kürzerer Trip könnte eventuell mit An-/Abreise, Ein- und Ausladen, Üben, Fahren u.s.w. schnell in Stress und Hektik ausarten. Die pünktliche Rückkehr zur vereinbarten Zeit ist ein Muss. Ob man das Schiff am Ende selbst aussen und innen reinigt oder es den Vercharterer machen lässt, kann man zu Beginn absprechen. Nach der Rückgabe des Bootes wird der tatsächliche Treibstoffverbrauch abgerechnet.Bewegbare Brücken
Für alle bewegbaren Brücken (BB-Brücken in der Karte) gelten besondere Öffnungszeiten, die früher meist an der Brücke mehr oder weniger leserlich angeschrieben waren. In Friesland gelten jetzt einheitliche Zeiten, die das Planen entschieden vereinfachen. Die Zeiten können unterschiedlich sein für Werktag, Samstag, Sonntag und auch die Monate. Das übliche 3-malige lange Hupen vor einer geschlossenen Brücke ist fast ganz verschwunden. Für Schleusen gilt dasselbe für die Lichter. Eisenbahnbrücken haben eigene Öffnungszeiten. Man muss die Öffnung meist per (schlecht erreichbarem) Meldeknopf anfordern.Brückenwärter in Holland sind keine Miesmacher, die Schiffer ärgern wollen. Allerdings haben zu erwartende Autobusse absoluten Vorrang vor Schiffen; das kann manchmal einige Minuten dauern. Sehr oft zeigen die Brücken schon bei der Annäherung mit 'rot/grün' die schnelle Öffnung an. Ich habe auch schon mehrmals eine Autobahnbrücke öffnen lassen, ohne hupen und lange warten zu müssen (das war in Holland und nicht in Deutschland !!). Bei Eisenbahnbrücken ist es ähnlich. Geöffnet wurden/werden sie mit Schraubenschlüssel und Kurbel bis ferngesteuert. Inzwischen gibt es viele ferngesteuerte oder automatisierte Brücken. Dies funktioniert perfekt.
Einige Brücken kosten Geld, andere nicht. Meist zeigt eine kleine Tafel kurz vor oder an der Brücke den Betrag an. Man muss das Geld passend bereit halten (bitte genügend Kleingeld mitnehmen), da der Brückenwärter den Obolus sich mit einem baumelnden Holzschuh 'angelt'. Ein kleines Zubrot für den 'Fischer' ist nicht zwingend, aber auch nicht verboten. Ausserhalb der Saison gibt es Brückenwärter, die gleichzeitig zwei oder drei Brücken bedienen müssen. Da heisst es eben hupen und warten bis der Mann mit dem Fahrrad oder Moped kommt. Ist man noch ein Stück von der Brücke entfernt und die Lichter zeigen rot/grün, bedeutet dies, dass man mit baldigem Öffnen rechnen kann. Als Erster kann man mit Vorsicht bei 'rot/grün' schon dann losfahren, wenn sich die Brücke genügend gehoben hat; grosse Brücken machen bei den 'Kleinen' oft nicht ganz auf. Bei Drehbrücken muss man 'grün' abwarten.
Vorsicht: Bei Rückenwind nie zu nahe an eine geschlossene Brücke oder den Vordermann heranfahren. Durchrauschen oder Trödeln wird auch nicht geschätzt. Die Lichter entsprechen nicht immer dem Idealzustand aus dem Lehrbuch, sind aber jederzeit verständlich. Viereckige gelbe Tafeln und kleine orange Lichter an Brücken müssen unbedingt beachtet werden, da sie die Durchfahrt regeln (1 oranges Licht: Gegenverkehr beachten, 2 orange Lichter: Einrichtungsverkehr).
Es geht endlich los
Zu Beginn wird man bei einer kurzen Fahrt eingewiesen, mehr oder weniger ausführlich. Man sollte sich alles zeigen lassen, nicht nur den Fahrhebel. Die Charter-Boote haben eine starre Propellerwelle. Sie reagieren nur bei Vorwärtsfahrt gut auf das Ruder, aber nicht so wie ein kleiner Kahn mit Aussenborder. Vorheriges Lesen, z.B. in einem Buch zum Motorbootführerschein, ist sehr nützlich. Wichtig sind Fahrmanöver wie An- und Ablegen in verschiedenen Situationen und die Kenntnis einiger Zeichen und Signale. Welche, dafür ist hier kein Platz, einfach Buch mitnehmen. Ist das Fahrwasser mit grünen und/oder roten Zeichen (z. B. Bojen) abgegrenzt, immer innerhalb der Fahrrinne bleiben. Und wenn nicht, die Wassertiefe und den eigenen Tiefgang genau beachten. Die meisten Schiffer grüssen sich durch kurzes Handheben.An- und Ablegen, Festmachen
Nicht jeder in der Karte angegebene Anlegeplatz ist für Anfänger geeignet oder noch frei, das ist wie beim Autofahren. Beim An- und Ablegen draussen 'auf der freien Wiese', in einem Ort oder im Hafen sollte Ruhe, Vorsicht und Rücksicht walten. Gegenseitige Hilfe beim An- und Ablegen ist üblich. Es ist sehr ratsam, sein Schiff nach jedem Anlegemanöver richtig festzumachen (mindestens Vorleine, Achterleine und Achterspring oder Vorspring), besonders bei Wind oder am Abend. In der Wiese halten nur Schraubenanker richtig, sie lassen sich leicht eindrehen und wieder entfernen. Wer einmal eine falsch verknotete nasse Leine 'entknoten' musste, wird gerne auf einen empfohlenen Seemannsknoten umsteigen. Mit ca. 3 Typen kommt man fast immer aus. Über das Ankern kann ich nichts beitragen, das habe ich nur einmal für eine Schwimmübung und Kaffeepause auf einem See gemacht. Ausgebrachte Fender vor dem Anlegen in der richtigen Höhe vermeiden eine Beschädigung der Aussenhaut. Ob man sie während der Fahrt draussen baumeln lässt kommt auf das Schiff an (ist lt. Lehrbuch unseemännisch).Im Hafen sollte man sich erst beim Hafenmeister melden, der einem einen Liegeplatz zuweist falls einer frei ist. In allen Häfen und in Städten und Gemeinden ist ab etwa 18 Uhr Liegegeld fällig. Die Höhe hängt von der Schiffslänge ab. Gegen Abend kommt dann freundlicher Besuch, der die 'Parkgebühr' kassiert. Für das per Schlauch bei Bedarf nachzufüllende Frischwasser kassiert meist ein Münzautomat oder die Tankstelle. Strom gibt es in vielen Häfen an Zapfsäulen über das 220 V - Landanschlusskabel, kostenlos oder per Münzeinwurf. In den meisten Häfen sind Duschen (Münzeinwurf) oder sogar Waschmaschinen vorhanden.
Vorsicht: Füsse und Hände sind beim An-/Ablegen und ähnlichen Manövern stark gefährdet, also nicht aussen herumbaumeln lassen. Sollte man durch Unachtsamkeit oder Seitenwind einem Kollegen oder dem Ufer seitwärts zu nahe kommen oder will man vom Kai ablegen, auf keinen Fall versuchen, mit Vollgas eine Kurve zu machen, denn das Heck schlägt dabei schnell und äusserst unsanft aus. Besser ist hier zu bremsen und Fender 'raushauen'. Die Fahrtechnik zum An- und Ablegen steht zwar im Lehrbuch, die Wirklichkeit sieht aber oft ganz anders aus, besonders bei Wind oder an einem nicht 'normgerechten' Platz. Hier Ruhe bewahren, Vorsicht und anderen Booten/Fahrer etwas abschauen und eventuelle Gaffer am Land ignorieren.
Fahren auf kleinen und grossen Kanälen
Charterboote sind keine Rennboote und das ist gut so. Die streckenweise maximal zugelassenen Geschwindigkeiten sollten aus mehreren Gründen immer eingehalten werden. Die Charterboote laufen meist sehr gut geradeaus, auch in Wellen, sofern eine ruhige Hand am Steuer hantiert, oder noch besser, fast gar nicht dreht. Besondere Aufmerksamkeit ist beim Begegnen von Segelbooten angebracht, z.B. wenn sie im Rudel (z. B. Segelschulen oder Regatta) in schmaleren Kanälen einem vor der Nase herumkreuzen. Sie haben Vorfahrt und tun es auch nicht um andere zu ärgern; also bremsen, stoppen oder ausweichen. Die vielen Plattboden-Segler sind oft viel schneller als man denkt und können dabei schlecht reagieren, also Vorsicht und wegbleiben. Frachtschiffe sind zwar gross, aber nie Gegner der Kleinen, ganz im Gegenteil. Trotzdem darf man ihnen niemals zu nahe kommen oder vor dem Bug herumfahren, sie können weder bremsen noch ausweichen. Ein Frachtschiff mit Vollgas zu überholen reizt zwar, dauert aber meist lange und ist fast immer völlig überflüssig.Wie beim Autofahren sollte man innerhalb von (betonnten) Fahrrinnen immer die rechte Seite einhalten. Kommt der Wind von links, darf man nicht zu nahe am Ufer oder den Tonnen fahren, hier besser in der Mitte bleiben und bei Gegenverkehr rechtzeitig ausweichen. Es gibt Stellen, wo Badenden am Rand einer Fahrrinne das Wasser nicht bis zum Hals sondern kaum bis zum Knie reicht, also immer auf die Wassertiefe achten.
Notwendige Fahrunterlagen
Der ALMANAK 1 enthält:- die allgemeinen gesetzlichen Fahrregeln
- zusätzliche Regeln und Anweisungen für das Befahren von bestimmten Kanälen und Gewässern
- die Bedeutung aller die Schifffahrt betreffenden Schilder, Zeichen und Signale (wichtig)
- Hinweise und Ratschläge für eine sichere Fahrt
- Alphabetisches Orts-/Wasserweg-Verzeichnis von ganz Holland
- Details von Häfen und privaten Anlagen (z. B. Liegegebühren, Tankstellen, Reparaturen, Telefonnummern usw.)
- Öffnungszeiten und Gebühren von Brücken und Schleusen
- Maximal zulässige Geschwindigkeiten
- Hinweise auf Erholungsplätze/-gebiete
- Fahrhinweise ud km-Angaben
ANWB - Wasserkarten
Die folgende Bilder zeigen Ausschnitte einer Frieslandkarte und einer älteren ANWB-Waterkaart 'Friesland'. Das etwa 4,5 km breite dargestellte Gebiet mit Sneeker Meer und Umgebung ist ein kleines Beispiel für Frieslands ausgedehnte Wasserwege.| Friesland (Landkarte) | Sneeker Meer (ANWB-Wasserkarte) |
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Diese gut lesbaren und unverzichtbaren Karten zeigen dem Freizeitkapitän alle wichtigen Details für die gründliche Planung seiner Fahrroute, z.B.:
- die sehr unterschiedlichen Wassertiefen in 'dm' (z.B. D 17.5 = 1,75 m)
- Fahrrinnen, Abzweigungen, Kreuzungen, sonstige Wasserflächen, Untiefen, Gefahrenstellen einschliesslich aller Tonnen, Zeichen und Markierungen
- Kilometer-Tafeln
- feste Brücken ohne/mit Namen (z.B. H 21 W 70 = 2,1 m max. Durchfahrtshöhe und 7 m Durchfahrtsweite)
- Automatische (Lichtschranken), ferngesteuerte (Kameras) oder vom Brückenwärter zu bedienende bewegbare Strassen- und Eisenbahnbrücken ohne/mit Namen und mit/ohne Nummer (z.B. HOOGEBRUG BB H 32 W 75 = 3,2 m max. Höhe in geschlossenem Zustand und 7,5 m Weite)
- Schleusen samt Funktion (z.B. Schutzschleuse, die zeitweise auch offen steht), eventuell zusammen mit einer Brücke (z.B. MR. H.P. LINTHORST HOMANSLUIS EN BB H 10.5 D 26 W 80 L 600 = BB-Brücke mit 1,05 m Höhe im geschlossenen Zustand, Schleuse hat 2,6 m Wassertiefe,ist 8 m weit und 60 m lang)
- Häfen und öffentliche Anlegeplätze
- Städte und Dörfer mit besonderer Markierung der Kirchtürme als Navigationspunkte
- gelb oder rot eingefärbte Wasserflächen, die wegen Naturschutz nicht befahren werden dürfen
- kurze Erklärung aller wichtigen Zeichen
- Die Wassertiefe und dadurch auch die maximal mögliche Durchfahrtshöhe einer festen Brücke kann sich bei besonderen Windverhältnissen stark ändern. An wichtigen Brücken wird deshalb der aktuelle Wert an einem Peilmassstab oder auf einer Tafel angezeigt.
Charter- und Nebenkosten
Sie setzen sich in erster Linie aus den folgenden aufgelisteten Posten zusammen. Die Preise für persönliche Ausgaben, z.B. Lebensmittel, sind vergleichbar mit den unseren.- Charterbetrag
- Kaution (bekommt man bei 'heiler' Rückkehr wieder zurück)
- Rücktrittskosten-Versicherung (nicht zwingend, aber anzuraten)
- Gebühren für Brücken, Häfen und Liegeplätze (siehe Almanak 2)
- Dieselverbrauch (genaue Abrechnung am Charterende)
- Schiffsreinigung (falls keine Eigenleistung)
- Andere (kleine) Nebenkosten (z.B. Frischwasser, Duschen, Schwimmweste)




